Alumnitreffen stand 2018 im Zeichen der Jugend

von Desiree Haak

Am Fronleichnamswochenende veranstaltete die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt ihr nunmehr 4. Alumnitreffen. Mehr als 100 Gäste waren der Einladung gefolgt und hatten sich in Vorträgen, Workshops und Gesprächen gleichermaßen an ihre Studienzeit in Erfurt erinnert sowie über aktuelle Themen aus Theologie, Kirche und Gesellschaft ausgetauscht.

Ein Alumnitreffen mit Appell: Jugendliche Pluralität erkennen und zulassen

Eröffnet wurde die Veranstaltung am Freitagabend mit einer Podiumsdiskussion. Moderiert von Dr. Karin Wollschläger (KNA) diskutierten Pfarrer Dirk Bingener (BDKJ), Paul Metzlaff (afj), Dr. Markus-Liborius Hermann (KAMP) sowie unsere Erfurter Pastoraltheologin Prof. Dr. Maria Widl über die aktuelle Beziehung zwischen „Jugend und Kirche“. Anlass zur Diskussion war die bevorstehende Bischofssynode, die sich im Oktober dieses Jahres gleichfalls dem Thema „Jugend“ zuwenden wird.

Maria Widl betonte ihre Hoffnung, dass die Synode die Jugend in ihrer Vielfalt erkennen werde. „Jungsein ist auf der gesamten Welt völlig heterogen“, unterstrich sie. „Die Probleme junger Menschen in anderen Erdteilen sind völlig andere als bei uns.“ Die Synode müsse dieser Pluralität jugendlicher Welten gerecht werden, denn „es gibt nicht die jungen Menschen, genauso wie es nicht die Erwachsenen gibt.“

Der Weg ist das Ziel – oder: Synodalität dogmatisch gedacht

Synode und Synodalität waren auch Thema des ersten Festvortrages am Samstagvormittag. Dogmatikerin Prof. Dr. Julia Knop reflektierte Synodalität als Ausdruck eines bestimmten Kirchenbilds, das geprägt ist vom Dialog auf und zwischen verschiedenen Ebenen (d.h.: Bistum – Bischofskonferenz – Weltkirche) sowie dem Wunsch, gemeinsam voranzugehen. Dieses Kirchenverständnis hatte das Zweite Vatikanische Konzil mit seinem Bild von der „pilgernden Kirche“ grundgelegt: Eine synodale Kirche sei demnach “eine Gemeinschaft, die zusammen auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel ist.“

Laut Knop forciert Papst Franziskus ein solches Kirchenbild in Theorie und Praxis. Gleichwohl verweise er aber darauf, dass es sich hierbei in vielerlei Hinsicht noch um “Zukunftsmusik” handele. Denn das neue Kirchenbild stelle ein überkommenes, hierarchisch konzipiertes Kirchenverständnis “vom Kopf auf die Füße” und erfordere damit manch strukturelle Innovation. Synodalität meine zudem mehr als eine Institution, erklärte Knop: „Sie meint eine Haltung, den Charakter, die Farbe einer Praxis; sie muss sich in der Realität bewähren.“. Die Kirche ist demzufolge nicht einfach synodal, sondern muss sich als synodale Gemeinschaft verstehen wollen. Katholikinnen und Katholiken müssten erst lernen, synodal unterwegs zu sein. “Darin sind wir alle erst Anfänger – ob als Gemeinde, Bistum, Bischofskonferenz oder Weltkirche”, schloss die Referentin.

Strg + Alt + Entf – oder: Ein Reset für die Interpretation des Konzils

Inwieweit sich die katholische Kirche der Verantwortung annimmt, insbesondere junge Menschen anzuhören, thematisierte Prof. Dr. Myriam Wijlens in ihrem anschließenden Vortrag “I bims, 1 Getaufter: Zu-, Hin- und Anhören mit Blick auf die Jugendsynode 2018”. Dabei stellte Wijlens die Frage in den Raum: Mit der Firmung wird der Heilige Geist gespendet, aber glaubt die Kirche wirklich daran? Welche Institutionen hat und braucht die Kirche um den  Jugendlichen eine hörbare Stimme zu verleihen? Antworten darauf fand die Kirchenrechtlerin in den Synoden über “Ehe” und “Familie” in den Jahren 2014 und 2015. Bereits damals rief Papst Franziskus Eheleute und Familien dazu auf, ihre persönliche Erfahrung zum Thema aktiv in die Synode einzubringen.

Damit, so Wijlens, habe Franziskus mit Blick auf die Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils die “Reset-Taste” gedrückt und – ähnlich, wie wenn ein Computernutzer die Tasten Strg + Alt + Entf betätigt – für die Neukonfiguration eines Systems gesorgt, das nicht mehr optimal operierte. Diese Neukonfiguration drücke sich darin aus, dass Synodalität nun keine Vorgehensweise mehr sei, “welche ausschließlich Beziehungen zwischen dem Papst und den Bischöfen kennzeichnet.” Stattdessen würde Synodalität fortan bezogen auf die gesamte Kirche und berühre deswegen “die Beziehung zwischen allen Mitgliedern des Volkes Gottes.” Folglich sei es allen Gläubigen – auch Jugendlichen, die in der vorsynodalen Versammlung im vergangenen März in Rom angehört wurden – möglich geworden, Protagonisten eines gemeinschaftlich gelebten Glaubens zu sein.

Theologische und (musikalische) Schlaglichter

Gefolgt wurden die Festvorträge von einem breiten Workshop-Angebot am Nachmittag. Arbeitsgruppen zu Themen wie “Digitalisierung”, “Christliche Liturgie und säkulare Öffentlichkeit” oder “Themen und Fragestellungen der zeitgeschichtlichen Katholizismusforschung” warfen theologische Schlaglichter auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen.

Eine Verschnaufpause von akademischen Debatten bot schließlich die “Musikalische Annäherung an die Geschichte der Erfurter Fakultät” von Kirchenhistoriker Prof. Dr. Jörg Seiler und Prof. Dr. Julia Knop. Gemeinsam mit den Gästen des Alumnitreffens sangen sie bekannte Kirchenlieder aus DDR-Zeiten. Besonders manch älteren Abschlussjahrgängen waren Lieder wie “Wenn das rote Meer grüne Welle hat, dann ziehen wir frei”, “Mit meinem Gott spring ich über Mauern” oder “Vertraut den neuen Wegen” noch gut vertraut. Vor dem Hintergrund der prekären Situation der Christen in der DDR, der friedlichen Revolution und des Mauerfalls konnten sie damals eine ganz besondere Bedeutung erlangen. Im Anschluss lud die Fakultät zu einem Vespergottesdienst.

15 Jahre Katholisch-Theologische Fakultät – und wie geht’s weiter?

Den Auftakt zum geselligen Abendprogramm läutete schließlich Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg, Präsident der Universität Erfurt, ein. Er richtete ein Grußwort an alle Gäste, in welchem er die lange Tradition der Katholischen Theologie in Erfurt sowie die gute Zusammenarbeit zwischen Fakultät und Universität betonte. Dem schloss sich Dekan Prof. Dr. Dr. Thomas Johann Bauer an. Er dankte für die Synergien, die sich in den vergangenen 15 Jahren seit Eingliederung des ehemaligen Philosophisch-Theologischen Studiums in die Universität Erfurt ergeben haben, und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass sich dieser Erfolgskurs auch künftig fortsetzen werde.

Ebenso dankte der Dekan dem Priesterseminar Erfurt sowie dem Erfurter Bischof Dr. Ulrich Neymeyr für dessen “permanente Zeichen des Wohlwollens.”  Hinsichtlich der weiteren Zukunft der Fakultät sprach Bauer personelle Neuerungen an, die es bedingt durch den Ruhestand langjähriger Kollegen geben werde. Die damit einhergehenden Veränderungen seien jedoch gut und notwendig, denn es könne “gar nicht anders sein, als dass wir uns verändern und in Zukunft immer weiter verändern werden”, so Bauer. Damit verwies der Dekan abschließend auch auf bundesweite Veränderungen in Kirche und Theologie, die, wie bereits Bauer-Wabnegg betonte, die Erfurter Fakultät zu einem “Zukunftslabor” der Theologie machten.

Bei einem anschließenden “Come together” bot sich den Gästen die Gelegenheit zu entspannten Gesprächen in geselliger Runde, die bis in den späten Abend fortgesetzt wurden.

Die Katholisch-Theologische Fakultät bedankt sich bei allen Gästen für ihre Teilnahme am diesjährigen Alumnitreffen und freut sich darauf, sie auch beim nächsten Mal wieder in Erfurt begrüßen zu dürfen. Der besondere Dank der Fakultät gilt überdies allen Studierenden sowie Hilfskräften, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben!

Fotos: Desiree Haak

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