Kategorie: Theologische Schlaglichter auf Corona

Sind Virologen die neuen Propheten? – Thomas Johann Bauer und Anne Rademacher über biblische Perspektiven auf die Pandemie

Sind Virologen die neuen Propheten? – Thomas Johann Bauer und Anne Rademacher über biblische Perspektiven auf die Pandemie

Selten hing die Öffentlichkeit so an den Lippen der Wissenschaft wie in den Tagen von Corona. Virologen werden nicht einfach zu Shooting Stars, sondern regelrecht zu neuen Propheten stilisiert, befinden der Neutestamentler Prof. Dr. Dr. Thomas Johann Bauer und Dr. Anne Rademacher, Leiterin des Seelsorgeamtes im Bistum Erfurt. Im Podcast „Hörenswertes im Bistum Erfurt“ beleuchten sie die Entwicklungen rund um das Virus aus der Perspektive der Bibel und des Neuen Testamentes.

Kirche nicht als “Vereinskultur” begreifen: Maria Widl und Matthias Kugler über Seelsorge in Zeiten der Pandemie

Kirche nicht als “Vereinskultur” begreifen: Maria Widl und Matthias Kugler über Seelsorge in Zeiten der Pandemie

Seit vielen Wochen müssen Gläubige nun schon auf kirchliche und pastorale Angebote verzichten. Was kann es da bedeuten, wenn Menschen auch langfristig erkennen, dass ein Leben ganz ohne Kirche möglich ist – genauso wie etwa ohne den Sport- oder Freizeitverein? Für die Pastoraltheologin Prof. Dr. Maria Widl zeigt sich in dieser Frage eine Gratwanderung im Verständnis von Kirche: Sie darf bei aller Relevanz des Gemeinschaftswesens nicht als “Vereinskultur” begriffen werden. Über pastorale Angebote in Zeiten der Pandemie sprachen sie und Matthias Kugler, Diakon in Saalfeld/Rudolstadt, im Podcast “Hörenswertes im Bistum Erfurt”.

Liturgien für den Alltag: Benedikt Kranemann und Marcellus Klaus über “Eucharistie-Druck” und neue Formen des Gottesdienstes

Liturgien für den Alltag: Benedikt Kranemann und Marcellus Klaus über “Eucharistie-Druck” und neue Formen des Gottesdienstes

Wenn die Kirchen geschlossen bleiben, wissen viele Menschen nicht, wie sie ihren Glauben für sich daheim leben sollen, beobachten der Erfurter Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Benedikt Kranemann und Marcellus Klaus, Pfarrer der Erfurter Innenstadtpfarrei St. Laurentius. Grund dafür sei nicht zuletzt, dass sich Kirche und Theologie in ihrer liturgischen Praxis stark auf die Eucharistie konzentrierten. Dabei müssten Christinnen und Christen wieder lernen, auch jenseits des gemeindlichen Gottesdienstes ihren Glauben zu leben, sagten die beiden im Podcast “Hörenswertes im Bistum Erfurt”.

“Verbaut, statt eröffnet?” – Dominique-Marcel Kosack über Perspektiven zur Wiederaufnahme der Gottesdienste

“Verbaut, statt eröffnet?” – Dominique-Marcel Kosack über Perspektiven zur Wiederaufnahme der Gottesdienste

Seit heute dürfen in Thüringen wieder Gottesdienste stattfinden. Für viele ist dies ein erster Schritt zurück in Richtung Alltag. Dominique-Marcel Kosack, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Dogmatik an der Uni Erfurt, sieht hierbei jedoch gewisse Probleme, denn: Wie wird entschieden, wer an den stark begrenzten Feiern teilnehmen darf und wer nicht? “Es kann sein, dass sich nun mehr Menschen ausgeschlossen fühlen”, urteilt er und fordert Gottesdienstformen, “die unter den aktuellen Bedingungen das gemeinsame Gotteslob und die Glaubensverkündigung angemessen ermöglichen” können.

Corona als eine auferlegte Fastenzeit – Maria Widl darüber, wie Covid-19 uns helfen kann, uns auf “das Wesentliche” zu besinnen

Corona als eine auferlegte Fastenzeit – Maria Widl darüber, wie Covid-19 uns helfen kann, uns auf “das Wesentliche” zu besinnen

Christ*innen auf der ganzen Welt begehen die 40 Tage vor dem Osterfest als Fastenzeit. Der Verzicht soll Gläubigen dabei helfen, sich wieder auf das Wesentliche im Leben zu besinnen. Doch infolge der Coronakrise erlebt derzeit die gesamte Welt eine “auferlegte Fastenzeit”, befindet die Erfurter Pastoraltheologin Prof. Dr. Maria Widl. Fasten von sozialen Beziehungen, von gesellschaftlichen Vergnügungen, vom Konsum und von als selbstverständlich begriffenen Freiheiten. In der Erfahrung eben dieser Entbehrungen sieht die Theologin die Chance darauf, dass Diskurse über “das Wesentliche” in unserer modernen Gesellschaft – über Klima, Migration, Demokratie und Digitalisierung – wieder an Bedeutung gewinnen könnten.

“Corona kann ein Weckruf sein” – Jakob Drobnik sieht Chancen auf einen gesellschaftlichen Wandel nach Covid-19

“Corona kann ein Weckruf sein” – Jakob Drobnik sieht Chancen auf einen gesellschaftlichen Wandel nach Covid-19

Corona als Chance für unsere Gesellschaft – für ein solches Verständnis der Krise plädiert der christliche Sozialethiker Dr. Jakob Drobnik. Die notwendige Isolation des Einzelnen bringe nur umso stärker zum Ausdruck, wie sehr der Mensch auf das Gemeinwesen und die soziale Interaktion angewiesen ist. “Die Erfahrung von Einsamkeit, Hilflosigkeit und wirtschaftlicher Ungewissheit, sollten für ein mehr-füreinander und mehr-miteinander genutzt werden, um als stärkere Gesellschaft aus der Krise zu kommen”, plädiert er. Und: Die mittlerweile globale Corona-Krise offenbare, dass – fernab jeder Grenze – wir doch alle gleich sind.

“Neue Verantwortung für die Schwachen” – Elke Mack über die Coronakrise als ethische Herausforderung

“Neue Verantwortung für die Schwachen” – Elke Mack über die Coronakrise als ethische Herausforderung

Corona ist nicht gleich Corona für jeden. Für verschiedene Menschen und verschiedene Nationen stellt das Virus eine jeweils ganz eigene Bedrohung dar. Das deutsche Gesundheitswesen sei gut, aber es gelte Triage-Entscheidungen mit Altersrationierung unbedingt zu vermeiden, konstatiert die christliche Sozialethikerin der Universität Erfurt, Prof. Dr. Elke Mack. Sie erörtert drei ethisch sinnvolle Schritte, die der Staat in Reaktion auf das Virus ergreifen sollte und fordert nach der Rückkehr zu einer offenen Gesellschaft eine besondere gesellschaftliche Verantwortung für Schwache und Risikogruppen, beispielsweise “junge Menschen zur sozialen Hilfe verpflichten.”

“Es ist das Dilemma der Triage, dass sie die Schwächsten nicht schützt.” – Thomas Bahne über Priorisierung und Verhältnismäßigkeit bei der ärztlichen Behandlung von Coronapatienten

“Es ist das Dilemma der Triage, dass sie die Schwächsten nicht schützt.” – Thomas Bahne über Priorisierung und Verhältnismäßigkeit bei der ärztlichen Behandlung von Coronapatienten

Die sogenannte “Triage” teilt Erkrankte und Verletzte nach Schwere ihrer Verletzungen ein und beschreibt damit die Priorisierung medizinischer Hilfeleistung. In Zeiten von Corona stößt eine solche Priorisierungsentscheidung jedoch auf eine Ressourcenknappheit an Intensivbetten. Sie wird folglich “zu einem selektiven Instrument der ärztlichen Entscheidung darüber, wer (weiter-)beatmet und wer palliativmedizinisch zum Sterben begleitet wird”, befindet Dr. Thomas Bahne, Moraltheologe an der Universität Erfurt. Häufig verlieren derlei Priorisierungsentscheidungen dabei den Fokus auf den individuellen Patienten – was zulasten alter und schwacher Menschen geht.

“Gott wurde nicht in einem makellosen Körper Mensch” –  Jörg Seiler über Krankheit als (Nicht-)Merkmal moralischer Verwerflichkeit

“Gott wurde nicht in einem makellosen Körper Mensch” – Jörg Seiler über Krankheit als (Nicht-)Merkmal moralischer Verwerflichkeit

Es gibt eine lange theologische Tradition, Krankheiten und Epidemien als eine “Strafe Gottes” zu interpretieren. Betroffene werden damit als moralisch verwerfliche Menschen stigmatisiert. Dagegen protestiert unser Kirchenhistoriker, Prof. Dr. Jörg Seiler: Der kranke Körper müsse von Kategorien wie “rein” oder “unrein” freigemacht werden, denn eine “moderne Theologie bedarf keiner Reinheitsvorstellung.” Im Gegenteil: “Gerade der geschundene und durch Krankheit und (Über-/Lebens-)Geschichte gezeichnete Körper repräsentiert einen weltbezogenen Gott.”

Dem Sinnlosen Sinn geben? – Thomas Bauer über Seuchen als (kreative) Herausforderung für Religion und Gottesglaube

Dem Sinnlosen Sinn geben? – Thomas Bauer über Seuchen als (kreative) Herausforderung für Religion und Gottesglaube

Seuchen und Plagen sind ein immer wiederkehrendes Motiv in der Mythologie und Geschichtsschreibung des Abendlandes. Selten bis nie machen sie dabei Unterschiede zwischen Guten und Bösen, Schuldigen und Unschuldigen. „Damit sind die individuelle Erfahrung schwerer Krankheit, eigener wie fremder, und die kollektive Erfahrung von Seuchen und Pandemien, Herausforderungen an Religion und Gottesglauben“, urteilt Prof. Dr. Dr. Thomas Johann Bauer, Neutestamentler an der Universität Erfurt. Denn sie stellten Gläubige vor die Frage nach dem Wesen Gottes sowie den Prinzipien seines Handelns.