“Die Syrisch-Orthodoxe Kirche und die Diakonatsweihe der Frau”: Erzbischof Mor Polycarpus Augin Aydin zu Gast an der Katolisch-Theologischen Fakultät

Auf Einladung von Prof. Dr. Myriam Wijlens, Professorin für Kirchenrecht an der Katholisch-Theologischen Fakultät, war kürzlich der syrisch-orthodoxe Erzbischof für die Niederlande, Dr. Mor Polycarpus Augin Aydin, zu Gast an der Universität Erfurt. Er hielt am 28. November einen Vortrag zum Thema “Die Syrisch-Orthodoxe Kirche und die Diakonatsweihe der Frau”.

In seinem Vortrag berichtete der Erzbischof zunächst über seinen eigenen Lebensweg, der in einem kleinen Dorf im Südosten Anatoliens begann und ihn zum Theologiestudium ans Heythrop College in London führte. Es folgten orientalische Studien in Oxford und New York sowie eine Promotion in Princeton. In diesem Zusammenhang schilderte der Erzbischof, was es für ihn persönlich bedeutet habe, zu lernen in zwei unterschiedlichen Welten – nämlich “Ost” und “West” – zu leben und vor allem zu denken. Während die lateinisch-westliche Kirche in der Seelsorge vorrangig von Konzepten, Definitionen und in gewisser Weise auch einem rechtlichen Denkmuster ausgehe, sei im “Osten” das Erzählen von Geschichten und der therapeutische Duktus dominant. Es sei wichtig, betonte er, diese Herangehensweisen als sich gegenseitig ergänzend zu verstehen.

"Das Amt der Diakonin ist der Kirche nicht fremd"

Vor diesem Hintergrund brachte der Erzbischof den Studierenden auch die Bedeutung des Heiligen Ephräm der Syrer (*306 †373) näher. Ephräm gilt als “der größte Dichter der Väterzeit” und wird auch von der Katholischen Kirche als Kirchenlehrer anerkannt. Gegen die Aussage des Apostel Paulus, dass Frauen in der Gemeindeversammlung schweigen sollten, sei Ephräm aufgrund seiner Studien zur Schöpfungsgeschichte, in der eine Gleichheit in Würde von Mann und Frau bekundet werde, zur Einsicht gekommen, dass Frauen Gott in der Kirche ebenso mit Gesang loben sollten wie die Männer es täten. Die methodische Herangehensweise von Ephräm die Bibel zu interpretieren, sei bis heute für die Syrisch-Orthodoxe Kirche entscheidend, wenn sie mit neuen Fragestellungen konfrontiert werde.

Vom vierten bis ins siebte Jahrhundert habe es Diakoninnen gegeben, erklärte der Erzbischof weiter. Auch danach gab es weiterhin Äbtissinnen die Diakoninnen waren. Das Amt der Diakonin sei der Kirche damit nicht fremd, werde aber seit dem 12. Jahrhundert nicht mehr praktiziert. Im heutigen Irak und Iran jedoch werden Frauen erneut als Diakonin geweiht. Für die Niederlande könne der Erzbischof sich die Weihe aktuell für eine Frau vorstellen, die derzeit als Gefängnisseelsorgerin tätig ist. Er selbst forsche zurzeit zu alten Liturgie über die Weihe der Diakonin, wie er abschließend betonte.

Der Vortrag von Dr. Mor Polycarpus Augin Aydin stieß unter Studierenden sowie weiteren Gästen auf reges Interesse. Die Katholisch-Theologische Fakultät dankt für seinen Besuch und hofft ihn auch künftig wieder als Gast in Erfurt begrüßen zu dürfen.

Prof. Dr. Myriam Wijlens und Erzbischof Polycarpus in der Villa Martin auf dem Campus der Universität Erfurt

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