Rückblick auf Internationale Fachtagung zum Thema “Theologie in der Öffentlichkeit”

von Prof. Dr. Julia Knop

Unter dem Titel „Theologie in der Öffentlichkeit“ reflektierte eine Internationale Fachtagung an der Universität Opole vom 21. bis 23. März die Bedeutung theologischer Forschung für wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse. An der Veranstaltung, die vom Theologischen Forschungskolleg der Universität Erfurt organisiert wurde, nahmen neben Theolog*innen aus Erfurt und Oppeln auch Kolleg*innen aus Slowenien und Tschechien teil. Für THEOLOGIE AKTUELL wirft Prof. Dr. Julia Knop einen Blick zurück.

Tag 1: Auf Stippvisite in Breslau

Mittwoch, 8:30 Uhr, Aufbruch bei minus fünf Grad aus dem winterlichen Erfurt. Wir fahren fünf Stunden bei herrlichem Wetter gen Osten, während es draußen langsam frühlingshafter wird. Station in Breslau, wo wir einen kurzen Gang durch die Altstadt machen, den Rathausplatz und die Kathedrale der heiligen Elisabeth von Ungarn besuchen. Vor der Kathedrale befindet sich ein Denkmal für Dietrich Bonhoeffer, der 1906 in Breslau geboren wurde. In der Kathedrale und später auch in Oppeln ist Johannes Paul II. allgegenwärtig: hinter Glas, als Statue, gemalt und fotografiert, seine Lehrschreiben und sein Beitrag zur Überwindung des Kommunismus. Die alte Universität, an der auch eine Reihe der Erfurter Emeriti studiert haben, ist heute geschlossen, weshalb wir den beeindruckenden barocken Festsaal nicht anschauen können. Dafür gibt es ein Gruppenfoto vor dem wunderschönen Portal neben dem kaum 20 cm großen Forscherzwerg. In der Markthalle kann man neben exzellentem Kaffee bereits österlichen Grabschmuck kaufen.

Tagungsauftakt in Oppeln

Weiter geht es zu unserem eigentlichen Ziel, zur theologischen Fakultät in Oppeln, wo wir gegen 18 Uhr ankommen, herzlich empfangen und großzügig bewirtet werden. Am Abend startet bereits die erste Arbeitseinheit, die in die Thematik der Konferenz einführt: „Theologie in der Öffentlichkeit“. Konrad Glombik, unser Kooperationspartner von der Oppelner Fakultät, schildert, wie man den öffentlichen Auftrag der Theologie von polnischer Warte beschreibt und erfüllt. Benedikt Kranemann erläutert die Situation in Deutschland und die Chancen, die eine plurale säkulare Öffentlichkeit für Theologie und Kirche bietet. Roman Globokar gibt einen differenzierten Einblick in die Situation Sloweniens, eines laizistischen Staates, in dem zwar weiterhin über die Hälfte der Bevölkerung katholisch ist, die Kirche aber keinerlei staatskirchenrechtlich gesicherte Stellung hat.

Tag 2: Thematische Vielfalt

Der Donnerstag bietet ein dichtes und straff getaktetes Programm aus 13 (Kurz-)Vorträgen. Inzwischen ist die Zuhörerschaft um eine Reihe polnischer Studenten gewachsen. Nach der thematischen Einführung vom Vorabend stehen nun Konkretisierungen der öffentlichen Präsenz von Theologie und Kirche an: Es geht um die diakonische Dimension von Kirche in ostdeutscher Diaspora, um Kurt Reuters Versöhnungsdienst zwischen Polen und Deutschen, um Frauenbilder katholischer Schriftstellerinnen in den 1930er Jahren, um populäre Jesus-Filme, das Kino als theologischen Ort und das Internet als Verkündigungsportal, innovative Konzepte des Religionsunterrichts und um Herausforderungen und Chancen der Theologie im Kontext anderer Disziplinen und Weltbilder. Ein Referat zu einem Papier der polnischen Bischofskonferenz über „die christliche Gestalt des Patriotismus“ (2014) und die anschließende Diskussion machen deutlich, wie unterschiedlich in Polen und Deutschland die polnische Verflechtung von nationalem und religiösem Selbstverständnis, aber auch die Aufgabe wissenschaftlicher Theologie im kritischen Gegenüber zu Gesellschaft und Kirche, wahrgenommen und beurteilt wird.

Tag 3: Nachwuchwissenschaftler*innen beschließen die Tagung

Neben dem Tagungsthema gibt es eine Reihe von Vorträgen, in denen Doktoranden und Postdocs beider Länder ihre Qualifikationsprojekte vorstellen. Die Palette ist bunt und vielfältig: Es wird über Jesaja und Hieronymus, kirchliche Berufe und päpstliche Diplomatie, Engel und Propheten  gearbeitet. Die Projekte sind ein Spiegel durchaus unterschiedlicher Zugänge und Aufgabenbestimmungen gegenwärtiger Theologie. Beeindruckend ist die Sprachkompetenz der polnischen Kollegen; Konferenzsprache ist deutsch, teils wird simultan zwischen Polnisch, Deutsch und Englisch übersetzt.

Einen kulturellen Abschluss findet die internationale Tagung, die bereits die vierte der Kooperation der Fakultäten Erfurt und Oppeln ist, durch den Besuch der nahe gelegenen Pfarrkirche Oberglogau mit ihren berühmten Sebastiani-Fresken. Wir feiern gemeinsam Eucharistie und beschließen die diesjährige internationale Konferenz mit einem gemeinsamen Mittagessen. 2020 werden wir die Oppelner Kollegen wieder in Erfurt begrüßen können.

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