Dem Sinnlosen Sinn geben? Seuchen als (kreative) Herausforderung für Religion und Gottesglaube

Dem Sinnlosen Sinn geben? Seuchen als (kreative) Herausforderung für Religion und Gottesglaube

Seuchen und Plagen sind ein immer wiederkehrendes Motiv in der Mythologie und Geschichtsschreibung des Abendlandes. Selten bis nie machen sie dabei Unterschiede zwischen Guten und Bösen, Schuldigen und Unschuldigen. „Damit sind die individuelle Erfahrung schwerer Krankheit, eigener wie fremder, und die kollektive Erfahrung von Seuchen und Pandemien, Herausforderungen an Religion und Gottesglauben“, urteilt Prof. Dr. Dr. Thomas Johann Bauer, Neutestamentler an der Universität Erfurt. Denn sie stellten Gläubige vor die Frage nach dem Wesen Gottes sowie den Prinzipien seines Handelns.

Dem Tod nicht “das letzte Wort” lassen – Benedikt Kranemann über Liturgien, die auch in Krisenzeiten das Leben feiern

Dem Tod nicht “das letzte Wort” lassen – Benedikt Kranemann über Liturgien, die auch in Krisenzeiten das Leben feiern

Naturkatastrophen und Seuchen haben seit jeher ihre Spuren in der Frömmigkeitsgeschichte hinterlassen. Die Kirche kennt zahlreiche Praktiken, mit denen sie auf eine vermeintliche „Strafe Gottes“ reagiert. Doch überlebte Frömmigkeitsformen sollte man dort belassen, wo sie hingehören, nämlich „in der Vergangenheit“, befindet der Erfurter Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Benedikt Kranemann. Stattdessen müsse die christliche Liturgie „nüchtern aus Glauben“ leben und auch in Krisenzeiten allem voran eines tun: Lebensmut schenken.

“Der heimliche Agent des Unheils” – Josef Römelt über zwischenmenschliche Beziehungen in Zeiten von “Social Distancing”

“Der heimliche Agent des Unheils” – Josef Römelt über zwischenmenschliche Beziehungen in Zeiten von “Social Distancing”

Die Coronakrise und das mit ihr verbundene Gebot, voneinander Abstand zu halten, “pervertiert die unbefangene Zuwendung” unter Menschen, meint Prof. Dr. Josef Römelt, Moraltheologe an der Universität Erfurt. Wenn der Nächste als das mögliche Potenzial der Ansteckung wahrgenommen wird, kann der körperliche Abstand auch schnell in eine innere Distanzierung umschlagen. Der christliche Glaube bietet hier jedoch einen Horizont des Vertrauens an – auch im Hinblick auf die Bewältigung der Krise.

“Ein Retrokatholizismus, der gerade fröhliche Urständ feiert” – Julia Knop warnt vor kirchlichen Rückschritten angesichts Corona

“Ein Retrokatholizismus, der gerade fröhliche Urständ feiert” – Julia Knop warnt vor kirchlichen Rückschritten angesichts Corona

“Nicht alles, was erlaubt ist und vor Jahrzehnten einmal gängig war, ist heute sinnvoll”, mahnt Prof. Dr. Julia Knop, Dogmatikerin an der Universität Erfurt. Angesichts der Coronakrise sieht sie die Gefahr einer kirchlichen Rückentwicklung. Sie beobachtet aber auch, dass Menschen unter den aktuellen Umständen “kreativ und eigenständig neue Formen von Gebet und Solidarität” erfinden, die sie untereinander und mit Gott verbinden.

“Die Heilige Messe ist kein Besitzstand des Priesters” – Prof. Dr. Benedikt Kranemann und Kollegen kritisieren “Geistermessen”

“Die Heilige Messe ist kein Besitzstand des Priesters” – Prof. Dr. Benedikt Kranemann und Kollegen kritisieren “Geistermessen”

Das Coronavirus macht auch vor Kirchentüren keinen Halt. Deutschlandweit müssen Gläubige daher gegenwärtig auf den sonntäglichen Gottesdienst verzichten. Doch hinter den verschlossenen Kirchenportalen finden zuweilen sogenannte “Geistermessen” statt – Messen also, die vom Priester allein gefeiert werden. Das ist aus liturgischer Sicht nicht hinnehmbar, erklärt unser Liturgiewissenschaftler an der Universität Erfurt, Prof. Dr. Benedikt Kranemann, gemeinsam mit Kollegen in einem Gastbeitrag für katholisch.de. Doch die Wissenschaftler sehen in der Krise auch Chancen für “schlummernde Charismen”.

Über das Ziel hinausgeschossen:  Prof. Dr. Josef Römelt über das BGH-Urteil zur Sterbehilfe

Über das Ziel hinausgeschossen: Prof. Dr. Josef Römelt über das BGH-Urteil zur Sterbehilfe

“Die Risiken, dass die Sterbehilfe zum Feld von geschäftsmäßigem Profit, von Erlösungsfantasien und fremd bestimmender Kalküle aus der Umwelt der Patient*innen wird, sind real”, warnt Prof. Dr. Josef Römelt. Gerade im Sterben sei der Mensch aufgrund seiner Verletzlichkeit auf Schutz und Fürsorge angewiesen. Für THEOLOGIE AKTUELL kommentiert der Moraltheologe der Universität Erfurt das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Sterbehilfe-Paragraphen § 217 und dessen Folgen.

Publikation: “Die Kirche und ihr Personal”

Publikation: “Die Kirche und ihr Personal”

In der gegenwärtigen Debatte um Rollen und Aufgaben in der Kirche melden sich Theolog*innen und Praktiker*innen zu Wort. Gerade ist die Publikation “Die Kirche und ihr Personal. Auf der Suche nach zukunftsfähigen Profilen und Identitäten seelsorglicher Berufe” erschienen, in der sich Fachleute aus Erfurt und dem gesamten Bundesgebiet zu diesem sehr spannungsreichen Themenfeld äußern. Aus der Perspektive unterschiedlicher theologischer Disziplinen werden darin die seelsorglichen Berufe von Frauen und Männern in der Kirche diskutiert. Zur Sprache kommen historische, systematische, pastoralpraktische und liturgietheologische Erwägungen.

MEHR – Kirchliche Innovation oder Rückschritt in neuem Gewand?

MEHR – Kirchliche Innovation oder Rückschritt in neuem Gewand?

Hip, modern, laut – mit der MEHR-Konferenz zeigt das Augsburger Gebetshaus, dass Kirche im 21. Jahrhundert nicht mehr nur zwischen Altar und harten Kirchenbänke stattfindet. Doch die populäre Großveranstaltung steht vielfach in der Kritik. Auch Dominique-Marcel Kosack, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Dogmatik an der Uni Erfurt, meint: “Die Antwort auf einen Bedeutungsverlust der Kirchen kann nicht sein, den vielfältigen gesellschaftlichen Entwicklungen eine eindeutige, emotional aufgeladene ‘wahre Lehre’ entgegenzustellen.” Und doch: “Ob die überkonfessionellen charismatischen Impulse auf lange Sicht nicht doch revolutionärer sind und eine unerwartete religiöse Pluralität mit sich bringen, steht auf einem anderen Blatt.” Über kirchliches Erneuerungspotential, die vermeintliche Angst einer Weltkirche vor Innovationen und die Verantwortung der Theologie in solchen Veränderungsprozessen, sprach mit ihm “Theologie Aktuell”.

“Die Chance, dass Menschen heute gehört werden, ist sehr viel besser” – Prof. Dr. Myriam Wijlens sieht Fortschritte im Umgang mit Missbrauchsfällen

“Die Chance, dass Menschen heute gehört werden, ist sehr viel besser” – Prof. Dr. Myriam Wijlens sieht Fortschritte im Umgang mit Missbrauchsfällen

Die katholische Kirche habe im Umgang mit Missbrauchsfällen große Fortschritte gemacht, befindet die Erfurter Kirchenrechtlerin Prof. Dr. Myriam Wijlens. Grund dafür sei ein innerkirchlich gewachsenes Bewusstsein für das Problem sowie eine größere Bereitschaft der Opfer, Übergriffe zur Anzeige zu bringen. Im Interview mit vaticannews.de erklärt sie: “Das Recht der Kinder, in einer sicheren Umgebung aufzuwachsen, wird von mehr Menschen wahrgenommen.”