Forderung nach mehr “geistlicher Solidarität”

von Dr. Sebastian Holzbrecher

Runde Geburtstage laden dazu ein Rückschau zu halten, Dank zu sagen und einen Blick auf die Zukunft zu werfen. Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Erfurt hat den 70. Geburtstag von Prof. em. Dr. Josef Pilvousek, seit 2013 emeritierter Professor für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit, zum Anlass genommen, genau dies zu tun. Mit einem akademischen Festakt, der von Schüler*innen und Kolleg*innen vorbereitet wurde, ehrte die Fakultät am 20. Juni den emeritierten Kirchenhistoriker.

Zwischen Rückschau und Ausblick

Knapp 200 Gäste aus Kirche, Universität, Politik und Gesellschaft nahmen am Festakt im Erfurter Coelicum teil, bei dem Ministerpräsident a.D. Prof. Dr. Dr. mult. Bernhard Vogel den Festvortrag hielt. Der ehemalige Thüringer Ministerpräsident würdigte das wissenschaftliche Wirken Pilvouseks und nahm in seinem Vortrag die schwierige Geschichte der Integration der Katholisch-Theologischen Fakultät in die Universität Erfurt im Jahr 2002 in den Blick.

Er skizzierte dabei nicht nur die Vergangenheit, sondern betonte mit Blick auf zukünftige Pläne zur Gründung eines Zentralinstitutes für katholische Theologie in Berlin pointiert, dass “Berlin nicht Ostdeutschland” sei. Ein besonders auf die Bundeshauptstadt orientiertes katholisches Institut könne und müsse nicht jene Transferarbeit theologischer Fragen und Themen in die Kirche und Gesellschaft Ostdeutschlands übernehmen, die von der Katholisch-Theologischen Fakultät in Erfurt seit 1952 in überzeugender Weise geleistet werde. Eine Koexistenz beider Institutionen mit Synergieeffekten sei durchaus vorstellbar.

Die Erfurter Fakultät als "anerkannter Ort universitärer Wissenschaft"

Im anschließenden Podiumsgespräch, das von Dr. Daniel Deckers (FAZ) moderiert wurde, diskutierten Dr. Vogel, Universitätspräsident Prof. Dr. Walter Bauer-Wabnegg und der Erfurter Altbischof Dr. Joachim Wanke über Aufgaben und Zukunft der Erfurter Theologie. Bischof Wanke warb engagiert für eine “geistliche Solidarität mit den Menschen vor Ort”. Kirche und Theologie müssten im Sinne einer Kontextualisierung die Menschen in Ostdeutschland kennen. Dies gehe nur aus einer räumlichen und geistigen Nähe heraus. Aus dieser Zeitgenossenschaft könne dann konstruktives und kreatives Potential entstehen, das der Theologie helfe, ihren Dienst und ihre Aufgabe zu erfüllen.

Universitätspräsident Prof. Bauer-Wabnegg betonte gegen manchen Kritiker, dass die Katholisch-Theologische Fakultät keine Missionsstation ist, sondern ein anerkannter Ort universitärer Wissenschaft wie jede andere Fakultät der Erfurter Universität auch. Aus der langen Geschichte der Fakultät, die auch das DDR-Regime überstanden habe, könne man Mut schöpfen, um neuen Herausforderungen offen zu begegnen.

An den Festakt schloss sich ein sommerlicher Empfang auf den Kavaten des Erfurter Dombergs an. Die musikalische Gestaltung des Festaktes übernahm der “Vocalkreis Gotha”, der eine enge Verbundenheit zu Prof. Pilvousek hat. 

Fotos: Angelika Todtwalusch

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