Publikation: “Gesandt, nicht geweiht?”

Publikation: “Gesandt, nicht geweiht?”

In der Reihe “Erfurter theologische Studien” ist soeben Band 116 im Würzburger Verlag Echter erschienen. Darin nimmt Samuel-Kim Schwope, Promotionsstudent und Mitglied im Theologischen Forschungskolleg der Universität Erfurt, unter dem Titel “Gesandt, nicht geweiht?” Sendungs- und Beauftragungsfeiern von Gemeinde- und Pastoralreferent*innen unter die Lupe.

“Corona kann ein Weckruf sein” – Jakob Drobnik sieht Chancen auf einen gesellschaftlichen Wandel nach Covid-19

“Corona kann ein Weckruf sein” – Jakob Drobnik sieht Chancen auf einen gesellschaftlichen Wandel nach Covid-19

Corona als Chance für unsere Gesellschaft – für ein solches Verständnis der Krise plädiert der christliche Sozialethiker Dr. Jakob Drobnik. Die notwendige Isolation des Einzelnen bringe nur umso stärker zum Ausdruck, wie sehr der Mensch auf das Gemeinwesen und die soziale Interaktion angewiesen ist. “Die Erfahrung von Einsamkeit, Hilflosigkeit und wirtschaftlicher Ungewissheit, sollten für ein mehr-füreinander und mehr-miteinander genutzt werden, um als stärkere Gesellschaft aus der Krise zu kommen”, plädiert er. Und: Die mittlerweile globale Corona-Krise offenbare, dass – fernab jeder Grenze – wir doch alle gleich sind.

“Neue Verantwortung für die Schwachen” – Elke Mack über die Coronakrise als ethische Herausforderung

“Neue Verantwortung für die Schwachen” – Elke Mack über die Coronakrise als ethische Herausforderung

Corona ist nicht gleich Corona für jeden. Für verschiedene Menschen und verschiedene Nationen stellt das Virus eine jeweils ganz eigene Bedrohung dar. Das deutsche Gesundheitswesen sei gut, aber es gelte Triage-Entscheidungen mit Altersrationierung unbedingt zu vermeiden, konstatiert die christliche Sozialethikerin der Universität Erfurt, Prof. Dr. Elke Mack. Sie erörtert drei ethisch sinnvolle Schritte, die der Staat in Reaktion auf das Virus ergreifen sollte und fordert nach der Rückkehr zu einer offenen Gesellschaft eine besondere gesellschaftliche Verantwortung für Schwache und Risikogruppen, beispielsweise “junge Menschen zur sozialen Hilfe verpflichten.”

“Es ist das Dilemma der Triage, dass sie die Schwächsten nicht schützt.” – Thomas Bahne über Priorisierung und Verhältnismäßigkeit bei der ärztlichen Behandlung von Coronapatienten

“Es ist das Dilemma der Triage, dass sie die Schwächsten nicht schützt.” – Thomas Bahne über Priorisierung und Verhältnismäßigkeit bei der ärztlichen Behandlung von Coronapatienten

Die sogenannte “Triage” teilt Erkrankte und Verletzte nach Schwere ihrer Verletzungen ein und beschreibt damit die Priorisierung medizinischer Hilfeleistung. In Zeiten von Corona stößt eine solche Priorisierungsentscheidung jedoch auf eine Ressourcenknappheit an Intensivbetten. Sie wird folglich “zu einem selektiven Instrument der ärztlichen Entscheidung darüber, wer (weiter-)beatmet und wer palliativmedizinisch zum Sterben begleitet wird”, befindet Dr. Thomas Bahne, Moraltheologe an der Universität Erfurt. Häufig verlieren derlei Priorisierungsentscheidungen dabei den Fokus auf den individuellen Patienten – was zulasten alter und schwacher Menschen geht.

“Gott wurde nicht in einem makellosen Körper Mensch” –  Jörg Seiler über Krankheit als (Nicht-)Merkmal moralischer Verwerflichkeit

“Gott wurde nicht in einem makellosen Körper Mensch” – Jörg Seiler über Krankheit als (Nicht-)Merkmal moralischer Verwerflichkeit

Es gibt eine lange theologische Tradition, Krankheiten und Epidemien als eine “Strafe Gottes” zu interpretieren. Betroffene werden damit als moralisch verwerfliche Menschen stigmatisiert. Dagegen protestiert unser Kirchenhistoriker, Prof. Dr. Jörg Seiler: Der kranke Körper müsse von Kategorien wie “rein” oder “unrein” freigemacht werden, denn eine “moderne Theologie bedarf keiner Reinheitsvorstellung.” Im Gegenteil: “Gerade der geschundene und durch Krankheit und (Über-/Lebens-)Geschichte gezeichnete Körper repräsentiert einen weltbezogenen Gott.”

Dem Sinnlosen Sinn geben? – Thomas Bauer über Seuchen als (kreative) Herausforderung für Religion und Gottesglaube

Dem Sinnlosen Sinn geben? – Thomas Bauer über Seuchen als (kreative) Herausforderung für Religion und Gottesglaube

Seuchen und Plagen sind ein immer wiederkehrendes Motiv in der Mythologie und Geschichtsschreibung des Abendlandes. Selten bis nie machen sie dabei Unterschiede zwischen Guten und Bösen, Schuldigen und Unschuldigen. „Damit sind die individuelle Erfahrung schwerer Krankheit, eigener wie fremder, und die kollektive Erfahrung von Seuchen und Pandemien, Herausforderungen an Religion und Gottesglauben“, urteilt Prof. Dr. Dr. Thomas Johann Bauer, Neutestamentler an der Universität Erfurt. Denn sie stellten Gläubige vor die Frage nach dem Wesen Gottes sowie den Prinzipien seines Handelns.

Dem Tod nicht “das letzte Wort” lassen – Benedikt Kranemann über Liturgien, die auch in Krisenzeiten das Leben feiern

Dem Tod nicht “das letzte Wort” lassen – Benedikt Kranemann über Liturgien, die auch in Krisenzeiten das Leben feiern

Naturkatastrophen und Seuchen haben seit jeher ihre Spuren in der Frömmigkeitsgeschichte hinterlassen. Die Kirche kennt zahlreiche Praktiken, mit denen sie auf eine vermeintliche „Strafe Gottes“ reagiert. Doch überlebte Frömmigkeitsformen sollte man dort belassen, wo sie hingehören, nämlich „in der Vergangenheit“, befindet der Erfurter Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Benedikt Kranemann. Stattdessen müsse die christliche Liturgie „nüchtern aus Glauben“ leben und auch in Krisenzeiten allem voran eines tun: Lebensmut schenken.

“Der heimliche Agent des Unheils” – Josef Römelt über zwischenmenschliche Beziehungen in Zeiten von “Social Distancing”

“Der heimliche Agent des Unheils” – Josef Römelt über zwischenmenschliche Beziehungen in Zeiten von “Social Distancing”

Die Coronakrise und das mit ihr verbundene Gebot, voneinander Abstand zu halten, “pervertiert die unbefangene Zuwendung” unter Menschen, meint Prof. Dr. Josef Römelt, Moraltheologe an der Universität Erfurt. Wenn der Nächste als das mögliche Potenzial der Ansteckung wahrgenommen wird, kann der körperliche Abstand auch schnell in eine innere Distanzierung umschlagen. Der christliche Glaube bietet hier jedoch einen Horizont des Vertrauens an – auch im Hinblick auf die Bewältigung der Krise.

“Ein Retrokatholizismus, der gerade fröhliche Urständ feiert” – Julia Knop warnt vor kirchlichen Rückschritten angesichts Corona

“Ein Retrokatholizismus, der gerade fröhliche Urständ feiert” – Julia Knop warnt vor kirchlichen Rückschritten angesichts Corona

“Nicht alles, was erlaubt ist und vor Jahrzehnten einmal gängig war, ist heute sinnvoll”, mahnt Prof. Dr. Julia Knop, Dogmatikerin an der Universität Erfurt. Angesichts der Coronakrise sieht sie die Gefahr einer kirchlichen Rückentwicklung. Sie beobachtet aber auch, dass Menschen unter den aktuellen Umständen “kreativ und eigenständig neue Formen von Gebet und Solidarität” erfinden, die sie untereinander und mit Gott verbinden.