Kirche nicht als “Vereinskultur” begreifen: Maria Widl und Matthias Kugler über Seelsorge in Zeiten der Pandemie

Kirche nicht als “Vereinskultur” begreifen: Maria Widl und Matthias Kugler über Seelsorge in Zeiten der Pandemie

Seit vielen Wochen müssen Gläubige nun schon auf kirchliche und pastorale Angebote verzichten. Was kann es da bedeuten, wenn Menschen auch langfristig erkennen, dass ein Leben ganz ohne Kirche möglich ist – genauso wie etwa ohne den Sport- oder Freizeitverein? Für die Pastoraltheologin Prof. Dr. Maria Widl zeigt sich in dieser Frage eine Gratwanderung im Verständnis von Kirche: Sie darf bei aller Relevanz des Gemeinschaftswesens nicht als “Vereinskultur” begriffen werden. Über pastorale Angebote in Zeiten der Pandemie sprachen sie und Matthias Kugler, Diakon in Saalfeld/Rudolstadt, im Podcast “Hörenswertes im Bistum Erfurt”.

Liturgien für den Alltag: Benedikt Kranemann und Marcellus Klaus über “Eucharistie-Druck” und neue Formen des Gottesdienstes

Liturgien für den Alltag: Benedikt Kranemann und Marcellus Klaus über “Eucharistie-Druck” und neue Formen des Gottesdienstes

Wenn die Kirchen geschlossen bleiben, wissen viele Menschen nicht, wie sie ihren Glauben für sich daheim leben sollen, beobachten der Erfurter Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Benedikt Kranemann und Marcellus Klaus, Pfarrer der Erfurter Innenstadtpfarrei St. Laurentius. Grund dafür sei nicht zuletzt, dass sich Kirche und Theologie in ihrer liturgischen Praxis stark auf die Eucharistie konzentrierten. Dabei müssten Christinnen und Christen wieder lernen, auch jenseits des gemeindlichen Gottesdienstes ihren Glauben zu leben, sagten die beiden im Podcast “Hörenswertes im Bistum Erfurt”.

“Verbaut, statt eröffnet?” – Dominique-Marcel Kosack über Perspektiven zur Wiederaufnahme der Gottesdienste

“Verbaut, statt eröffnet?” – Dominique-Marcel Kosack über Perspektiven zur Wiederaufnahme der Gottesdienste

Seit heute dürfen in Thüringen wieder Gottesdienste stattfinden. Für viele ist dies ein erster Schritt zurück in Richtung Alltag. Dominique-Marcel Kosack, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Dogmatik an der Uni Erfurt, sieht hierbei jedoch gewisse Probleme, denn: Wie wird entschieden, wer an den stark begrenzten Feiern teilnehmen darf und wer nicht? “Es kann sein, dass sich nun mehr Menschen ausgeschlossen fühlen”, urteilt er und fordert Gottesdienstformen, “die unter den aktuellen Bedingungen das gemeinsame Gotteslob und die Glaubensverkündigung angemessen ermöglichen” können.

Neue Publikation: “Segensfeiern in der offenen Kirche”

Neue Publikation: “Segensfeiern in der offenen Kirche”

“Segensfeiern in der offenen Kirche” lautet der Titel eines neuen Sammelbandes, der gerade vom Erfurter Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Benedikt Kranemann und der Dogmatikerin Prof. Dr. Julia Knop herausgegeben wurde. Internationale Theologinnen und Theologen reflektieren darin über neue Formen des Gottesdienstes. Bedingt durch die Corona-Pandemie, erscheint der Band aus der renommierten Reihe “Quaestiones disputatae” zunächst als E-Book und im Sommer als Printmedium.

Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski ist neuer Professor für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät

Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski ist neuer Professor für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät

Es sind unstete Zeiten, in denen Holger Zaborowski nach Thüringen kommt. Während alle Welt dazu aufgefordert ist, „daheim zu bleiben“, verlagert sich eben dieses Zuhause für den katholischen Theologen und Philosophen derzeit von Rheinland-Pfalz in das grüne Herz Deutschlands. Hier ist Zaborowski seit dem 1. April Professor für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Doch wenngleich Corona den formalen Einstieg in den Universitätsalltag auch anders gestaltet als erwartet, so zeigt die Pandemie doch auch die gesellschaftliche Signifikanz der Forschung des Philosophen und warum gerade die Erfurter Theologie hierfür den idealen „Nährboden“ bietet. „WortMelder“, der Blog der Universität Erfurt, stellt den „Neuzugang“ an der Uni Erfurt vor und zeigt, warum er ein echter „Vollblut-Philosoph“ ist – sogar wenn es ums Essen geht.

Corona als eine auferlegte Fastenzeit – Maria Widl darüber, wie Covid-19 uns helfen kann, uns auf “das Wesentliche” zu besinnen

Corona als eine auferlegte Fastenzeit – Maria Widl darüber, wie Covid-19 uns helfen kann, uns auf “das Wesentliche” zu besinnen

Christ*innen auf der ganzen Welt begehen die 40 Tage vor dem Osterfest als Fastenzeit. Der Verzicht soll Gläubigen dabei helfen, sich wieder auf das Wesentliche im Leben zu besinnen. Doch infolge der Coronakrise erlebt derzeit die gesamte Welt eine “auferlegte Fastenzeit”, befindet die Erfurter Pastoraltheologin Prof. Dr. Maria Widl. Fasten von sozialen Beziehungen, von gesellschaftlichen Vergnügungen, vom Konsum und von als selbstverständlich begriffenen Freiheiten. In der Erfahrung eben dieser Entbehrungen sieht die Theologin die Chance darauf, dass Diskurse über “das Wesentliche” in unserer modernen Gesellschaft – über Klima, Migration, Demokratie und Digitalisierung – wieder an Bedeutung gewinnen könnten.

Leere Kirchen als ein “Zeichen Gottes” – Tomáš Halík plädiert für ein “radikal erweitertes” Kirchenverständnis

Leere Kirchen als ein “Zeichen Gottes” – Tomáš Halík plädiert für ein “radikal erweitertes” Kirchenverständnis

Auch während des Osterfestes werden die Kirchen infolge der Corona-Pandemie leer bleiben. Eben diese menschenleeren, sakralen Räume seien “biblisch gesagt, ein Zeichen der Zeit”, befindet der tschechische Theologe Prof. Dr. Tomáš Halík. Der Ehrendoktor der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt sieht in den verschlossenen Kirchengebäuden “ein Zeichen Gottes” und “einen Aufruf” zu einer neuen Suche nach Christus. In einem Beitrag für die Online-Plattform theologie-und-kirche.de plädiert er außerdem für ein neues und “radikal erweitertes” Verständnis von Kirche.

Publikation: “Gesandt, nicht geweiht?”

Publikation: “Gesandt, nicht geweiht?”

In der Reihe “Erfurter theologische Studien” ist soeben Band 116 im Würzburger Verlag Echter erschienen. Darin nimmt Samuel-Kim Schwope, Promotionsstudent und Mitglied im Theologischen Forschungskolleg der Universität Erfurt, unter dem Titel “Gesandt, nicht geweiht?” Sendungs- und Beauftragungsfeiern von Gemeinde- und Pastoralreferent*innen unter die Lupe.

“Corona kann ein Weckruf sein” – Jakob Drobnik sieht Chancen auf einen gesellschaftlichen Wandel nach Covid-19

“Corona kann ein Weckruf sein” – Jakob Drobnik sieht Chancen auf einen gesellschaftlichen Wandel nach Covid-19

Corona als Chance für unsere Gesellschaft – für ein solches Verständnis der Krise plädiert der christliche Sozialethiker Dr. Jakob Drobnik. Die notwendige Isolation des Einzelnen bringe nur umso stärker zum Ausdruck, wie sehr der Mensch auf das Gemeinwesen und die soziale Interaktion angewiesen ist. “Die Erfahrung von Einsamkeit, Hilflosigkeit und wirtschaftlicher Ungewissheit, sollten für ein mehr-füreinander und mehr-miteinander genutzt werden, um als stärkere Gesellschaft aus der Krise zu kommen”, plädiert er. Und: Die mittlerweile globale Corona-Krise offenbare, dass – fernab jeder Grenze – wir doch alle gleich sind.